Was bedeutet „effektiver“ Zinssatz?

Zinsen sind nicht gleich Zinsen. Das klingt kompliziert und ist es auch, wenn man sich die mathematischen Formeln betrachtet, mit denen die unterschiedlichen Zinsarten berechnet werden. Kunden, die sich für einen Kredit interessieren, müssen deshalb nicht gleich zum Taschenrechner greifen. Für sie ist in erster Linie der effektive Zinssatz von Interesse. Er bestimmt, wie teuer ein Kredit im Laufe der Jahre ist. Genauer gesagt: Er beziffert die Gesamtkosten eines Kredites pro Jahr. Laut Preisangaben-Verordnung (PangV) aus dem Jahr 1985 ist jeder Kreditanbieter dazu verpflichtet, dem Kunden den (anfänglichen) Effektivzinssatz als Berechnungsgrundlage zu nennen, um so Vergleiche zu vereinfachen.

Doch warum heißt er nun effektiver Zinssatz? Weil er angibt, was man „effektiv“ bezahlen muss. Das sind bei einem Kredit nicht alleine die Zinsen, sondern auch eine Reihe von Gebühren, die von der Bank verlangt werden – angefangen bei der Bearbeitungsgebühr – und sich in den Zinsen wieder finden. Sie müssen zumindest teilweise in die Angabe für den effektiven Zinssatz einfließen. Alle Posten werden dabei nicht berücksichtigt. Das sind zum Beispiel Kontoführungsgebühren, Schätzkosten und Bereitstellungszinsen. Über sie muss man sich gesondert informieren. Kombiniert werden die Kosten dabei mit den Nominalzinsen. Dabei handelt es sich um die reinen Kreditzinsen ohne jede Gebühr. Das bedeutet vereinfacht, der Effektivzins setzt sich aus den Nominalzinsen, dem Disagio (Auszahlungskurs), der Festschreibungsdauer für die Zinsen und der Tilgung zusammen. Hinzu kommen noch der Tilgungssatz, die Tilgungsverrechnung (die Raten werden nicht zeitgleich mit der Restschuld verrechnet, sondern häufig nur einmal im Quartal oder jährlich) sowie die Tilgungsfreijahre. Insgesamt sind es also sehr viele Faktoren, die den Effektivzins bestimmen.

Mit ihm haben Kunden eine Hausmarke, an der sie sich orientieren können. Der Nominalzins hilft in diesem Zusammenhang wenig. Selbst Banken, die nominal den gleichen Zinssatz verlangen, haben aufgrund unterschiedlicher Gebührenstrukturen andere effektive Zinsen. Genannt werden häufig beide Werte. Für einen Vergleich der Konditionen ist allerdings einzig der Effektivzinssatz ausschlaggebend. Ist er nicht auf die Dauer des Darlehens festgeschrieben, muss er als anfänglicher Effektiver Zinssatz bezeichnet werden. Auch hierauf ist bei einem Kreditvergleich zu achten, damit man auch wirklich vergleichbare Daten erhält.

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